eine Kunstreise nach Venedig II

Welchen Eindruck das Anliegen der Kuratorin hinterlässt und wie mit ihm umgegangen wird, hängt maßgeblich vom Betrachter ab. Je nach seiner persönlichen Lage wird er das Vorgefundene wie einen vielfarbigen Coctail schlürfen, sich in einem Freiraum fühlen oder inmitten bedrohlicher Notwendigkeiten. Ich fühle mich über zwei Tage hin abwechselnd berauscht, befreit oder bedrängt. Weiterlesen

eine Kunstreise nach Venedig I

Nach Bekanntschaft mit der Kasseler documenta der Jahre 2007, 2012 und 2017 und der diesjährigen Biennale di Venezia kann in schnelllebigen Zeiten von einer gewissenhaften Sichtung keine Rede sein. Aus den Stippvisiten Tendenzen ableiten oder gar Prognosen zur Rolle und Bedeutung von Gegenwartskunst geben zu wollen, würde nicht einmal professionellen Kennern gelingen. Aber ich bemerke, dass sich die Welt unseretwegen messbar und spürbar verändert. Ich bemerke, wie sich daraus auch veränderte Wahrnehmungen ergeben, von denen ich nicht weiß, wie sie sich auf mich, auf die Gesellschaft und auf meine Umgebung auswirken werden. Weiterlesen

Elbphilharmonie

Wissenschaftler sagen, dass unser Gehirn beim Musizieren so intensiv wie bei kaum einer anderen Tätigkeit Hören und Sehen, Fühlen und Tasten, Bewegung und Koordination, Imagination und Kreativität miteinander verknüpft. Sie sagen, dass beim Musizieren oder Musik hören Glückshormone wie beim Essen und Sport, bei Sex und durch Drogen produziert werden und dass es neben allen kulturellen Unterschieden weltweit viele Gemeinsamkeiten in der Musik gibt, dass ihre beruhigende oder anregende Wirkung universell ist.

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Kasseler Kunst-Gang IV

Eine andere Komposition, die sich absichtsvoll musikalischer Begrifflichkeit bedient, ist die Performance „Social Dissonance“ des Spaniers MATTIN in der „documenta“-Halle. Könnte das Ausüben von „Noise und Improvisation“ dazu beitragen, das Ausmaß des Zur-Ware-Werdens und der Vermarktung (menschlicher Arbeitskraft) besser zu verstehen und gar aufzuhalten? Können wir Noise (Lärm, Geräusch, Krach, Rauschen, Störung, Klatsch, Heroin, Rumor) nutzen, „um althergebrachte Beziehungen zwischen Publikum und Performer_in zu überwinden?“ Das soll das Publikum in Mattin‘s 163 Tage dauerndem ‚Konzert‘ an sich selbst erproben. Weiterlesen

Kasseler Kunst-Gang III

In fortwährender Beschleunigung sind fünf Jahre eine lange Zeit. 2012 eröffnete ich meinen Blog mit zwei „Kunst-Gängen“ durch Gebäude und Gelände der „documenta 13“. Der Besuch der „documenta 14“ ist eine Gelegenheit, diesen Zeitraum zu verklammern und in eine Frist umzuwandeln, in der ich, zunehmend bewusster, LebensZeichen aussende, resümiere und vorausblicke. Geblieben ist die Neugier auf die Welt und die Neugier auf die Kunst weltweit. Wie reagieren kreative Menschen auf die Eigenart der Gattung, sich selbst immer konsequenter in Frage zu stellen? Wie lösen sie Maß und Anmaßung in ihren Lebensweisen auf? Weiterlesen

Wen wählen?

An der letzten Bundestagswahl habe ich mich nicht beteiligt. Warum nicht? Weil Gegenstimmen nicht möglich sind. Nur eine solche hätte ich guten Gewissens abgeben können und zwar für jede der etablierten Parteien von Rechts bis Links. Weil jede mit ihrem Programm mit all ihrer Macht das vorhandene System (das ihre Anführer ohne Skrupel als bestmögliches ausrufen und sogar für alternativlos erklären) verteidigen und befestigen will. Es kann aber nur darum gehen, dieses System zu destabilisieren, in dem Einzelne auf Kosten der Gemeinschaft leben, das existenzielle Konflikte ohne Ende produziert und inzwischen die Bedingungen für alles Lebendige auf dem Planeten zusehends verschlechtert. Weiterlesen

FrageZeichen

Mit einem Fragezeichen endet der Titel der 2016 erschienenen, eben gelesenen Schrift „What Kind of Creatures Are We?“ von Noam Chomsky. Es ist der erste Satz. Das FrageZeichen, erwartete ich, würde dem Ende zu aufgelöst. Aber den Gefallen tut Chomsky mir nicht. Allerdings lässt er wissen, dass er selbst gern mehr wüsste. Weiterlesen

Zukunft

Merkwürdig: Je weniger Zukunft ich habe, desto mehr Gedanken mache ich mir um sie.

Einer davon mündet in die Überzeugung, dass es auf lange Sicht zwar immer äußere Umstände sein werden, die darüber entscheiden, ob wir mit ihr in Verbindung bleiben, kurzfrisitg aber unser eigenes Verhalten den Ausschlag geben wird, wie viel wir davon noch erleben. Weil Zeit keine Naturkonstante ist, ist Zukunft es ebenso wenig. Worauf es ankommt ist:

Wann werden wir aufhören, uns an ego- und anthropozentrischen Weltbildern zu ergötzen?

Wann werden wir den aufrechten Gang zum ersten Lebensrecht erklären?

Werden wir genügend Zusammenhänge erkennen und komplex denken lernen?

Werden wir die Balance auf dem Planeten halten?

Werden wir nach genug gesehenen Taten endlich Worte wechseln?

Musik

Musik ist heute die Sprache, mit der wir offensichtlich am besten begreifen und zusammenhalten. Warum es nicht die Worte sind, auf deren ‚Erfindung“ wir so stolz sind, ist eine große Frage. Weil nach wie vor der Bauch den Kopf dominiert? Das hören bezeichnenderweise vor allem die Klugen nicht gern. Als müssten sie verteidigen, was ihnen nicht gelingt: mit dem Austausch von Gedanken dem Kampf ums Überleben immer mehr Lebenswertes abzugewinnen. Weiterlesen

Terroristen

Ursprünglich galt Terror als legitime Staatsaktion. „Terror ist nichts anderes als rasche, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit. Er ist eine Offenbarung der Tugend“, erklärte der Revolutionär und jakobinische Politiker Maximilien de Robespierre im Jahre 1794 vor dem französischen Nationalkonvent. Weiterlesen