aussichtslose Rückblicke

Inzwischen sind es fast nur noch vereinzelte Spitzensportler, bei denen sich in den zahllosen medialen Jahresrückblicken einigermaßen überzeugende Leistungen nachweisen lassen. Im Gegensatz zu Politikern, Unternehmern, Bankern, Spekulanten, Weltenrettern, Taugenichtsen und Möchtegernen aller Coleur, die schamloser denn je ins Licht der Öffentlichkeit drängen und, von Eklat zu Fauxpas stolpernd, alle Register ziehen, ihre von Fehltritten gespickte Gangart auch noch zu rechtfertigen. Weiterlesen

Systemversagen?

Weltuntergänge haben immer dann Konjunktur, wenn das kollektive Selbstvertrauen schwindet, wenn wir feststellen, dass es bei äußerster Anstrengung mal wieder nicht gelingen will, unsere Interessen mit den Gegebenheiten in Einklang zu bringen. Dieser Tage muss der Maya-Kalender herhalten, in dem ein am 11. August 3114 v. Chr. begonnener Zählabschnitt endet und kurzerhand zum kosmischen Finale erklärt wird. Weiterlesen

Gedächtnislücken

Es geschieht immer wieder, dass ich mich an Personennamen, Begriffe oder Titel, die ich schon häufig verwendet habe, nicht erinnere. Manchmal dauert es nur Sekunden, bis sie mir wieder einfallen, manchmal Stunden, oder es geschieht viel später und in  ganz anderem Zusammenhang. Wie erfolgversprechend ist die sofortige Anstrengung, diese Lücken zu schließen? Weiterlesen

Hitler und die Transhumanisten

Haus der Wannsee-Konferenz“ heißt heute die luxuriöse Villa des Pharmafabrikanten Ernst Marlier, vor dessen Mixturen im Jahr 1907 das Berliner Polizeipräsidium warnte, weil sie „nicht diejenigen Eigenschaften besitzen, die ihnen in den Anpreisungen zugeschrieben werden“. Dessen ungeachtet verhalf die reichsdeutsche Kundschaft dem Quacksalber zu einem 30 000 Quadratmeter großen Grundstück am Berliner Wannseeufer. Fortgesetzter krimineller Machenschaften überführt und verurteilt, sah er sich allerdings gezwungen, das Anwesen wieder zu veräußern. Weiterlesen

bedingungsloses Grundeinkommen I

Offensichtlich zukunftslos ist das System, in das Staat und Marktwirtschaft unser Leben inzwischen so geschickt einbetten, dass wir immer noch an Selbstbestimmung, Wahlfreiheit und einen Platz für eigenen Willen glauben. Den Nachweis fortwährender Manipulation führe ich in dem Essay „Der Club of Rome und meine Liebe zur sphärischen Geometrie“, der in diesem BLOG in meiner Vita als PDF-Datei nachgelesen werden kann. Der Text zeigt, dass unsere Lebensweise fatal aber nicht alternativlos ist, nur dass es eben nicht ausreicht, Personal auszuwechseln, solange die Strukturen, in denen es agiert, unverändert bleiben. Weiterlesen

unerwartete Gedichte

Ein gesellschaftlicher Diskurs anhand lyrischer Texte ist selten, ist lange nicht mehr vorgekommen. Da muss man sich nicht über jene wundern, die ihn für absonderlich halten. In einer verflachten Geisteslandschaft hatte ich ein solches Ereignis längst ausgeschlossen, und da erdreistet sich ein Wortmeister, an der Meinungsfront der Print- und Telemedien vorbei zwei verdichtete Texte in die Öffentlichkeit zu lancieren, die mit solchen Überraschungen gar nicht mehr umgehen kann. Weiterlesen

„Randland“

Randland“ ist der Titel eines Dokumentarfilms, der vorgestern beim „55. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm“ seine Weltpremiere hat. In Spielfilmlänge zeigt das Team um die Regisseure Leopold Grün und Dirk Uhlig eine Dorfgemeinschaft im Mecklenburgischen, die aufgehört hat, an den Kapitalismus zu glauben und die, weil sie das tut, ihn bemerkenswert überwindet. Zugunsten eines in den Worten des amerikanischen Ethnologen und Mitinitiators der Occupy-Bewegung David Graeber „elementaren Kommunismus“, den er als „Rohstoff des Zusammenlebens“ betrachtet, als „geteilte Geselligkeit […], auf der alles andere errichtet“ wird und die nach seiner historischen Analyse der ökonomischen Verhältnisse jede Gesellschaft durchzieht. Weiterlesen