Ubuntu

Aus der Wiege der modernen Menschheit, aus den Sprachen der einst in Zentralafrika beheimateten Zulu und Xhosa, kommt das Wort Ubuntu. Es bedeutet soviel wie unsichtbarer Zusammenhalt. Demnach ist jeder Mensch Teil eines Ganzen, und jeder Ausgeschlossene beschädigt dieses Ganze im Kern. Ubuntu ist der Begriff für wechselseitigen Respekt, für die Achtung der Menschenwürde und für eine friedfertige Gemeinschaft, in der individuelles Handeln erst wertvoll wird, wenn es diese Merkmale aufweist. Dann löst es sich von den egozentrierten Denkweisen und Weltbildern, in denen wir zunehmend unser Gleichgewicht verlieren. Weiterlesen

Kaltgebiet

Die Erde wird wärmer. Wir winden uns in Gedanken heraus aus der gemäßigten Zone und stellen uns kuschelige Zeiten vor. Anders als äquatorwärts, wo der Klimawandel den Völkern jetzt schon unter den Füßen brennt und sie auf Gedanken bringt, die uns gar nicht gefallen: Einzeln oder in Scharen oder – Gott behüte! – völkerwandernd in unsere Gegenden aufzubrechen, in denen wir gern weiter gern ungestört blieben, um unserem Wohlstand zu frönen. Mögen ihnen die Kehlen austrocknen. Möge ihnen, bevor wir sie – sorry – eigenhändig stoppen müssen, an Ort und Stelle die Luft ausgehen. Weiterlesen

ein sympathischer Gedanke

Ich kann mir nicht vorstellen, sinnlos zu sein. Also versuche ich meine Lebenszeit so in das Geschehen um mich herum einzubetten, dass sie nicht als ganz umsonst erscheint. Zum Beispiel traue ich mir zu, nicht ganz umsonst darüber nachzudenken, was es mit meinem Aufenthalt auf Erden auf sich hat und ob und wie ich ihn nutzen könnte, um Zukunft zu beeinflussen. Weiterlesen

Erwin Wagenhofers „Alphabet“

Erwin Wagenhofers Film „Alphabet“ ist notwendig. Das sehen die staatstragenden Medien ganz anders. In hastigen Artikeln versuchen etwa die SÜDDEUTSCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN oder DER TAGESSPIEGEL die aufregende Dokumentation herunterzuschreiben. Allerdings verstreuen sie ihre Abneigung aus typisch bildungsbürgerlichen Gedankengängen, in denen das Wahrnehmungsvermögen komplexer Zusammenhänge bereits erfolgreich weggebildet wurde. Zukunft ist für die beiden Autorinnen nur noch eine Frage der Zeit, während unsere Zukunft längst vor allem abhängig davon ist, ob wir noch in der Lage sind, das Gleichgewicht auf dem Planeten zu halten und unser momentanes Straucheln wieder auszubalancieren. Weiterlesen

Never Say Anythink

Der Historiker Josef Foschepoth, geboren 1947 und seit 2005 Professor für Zeitgeschichte am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität, hat schon vor einem Jahr dokumentiert, wie umfangreich die USA seit den Anfängen der Bundesrepublik die Kommunikation kontrolliert. Foschepoths Forschungen zeigen darüber hinaus, dass „die Bundesbürger bis 1989 von ihrem Staat systematisch bespitzelt wurden“ und trotz 2+4-Vertrag im vereinigten Deutschland „die National Security Agency der USA frei schalten und walten“ konnte. Weiterlesen

Lebensfrist

Eine gute Freundin ist mit Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium seit kurzem in einem Hospiz. Wie sie mit der Absehbarkeit ihrer Lebensfrist umgeht, wie ihr Leben, ihr Denken, ihre Wahrnehmung sich daraufhin verändert, versuche ich mir vorzustellen. Vergeblich. Ist das ein ‚Ausstattungsmangel‘? Ober ist mir das Leben nur erträglich, wenn ich seine Dauer nicht kenne? Offenbar ist es einfacher, mir das Nichtsein vorzustellen und mit ihm umzugehen, als mit der genauen Kenntnis der eigenen Lebensfrist. Weiterlesen

Herbstzeit

Leider habe ich nicht die Gabe der Indianer und damit auch nicht ihre Worte, vierzig verschiedene Grün zu unterscheiden. So ist es immer wieder erst die blätterfärbende Jahreszeit, in der sich Wald und Bäume meiner Sprache öffnen. Den Blicken gewachsen ist sie nicht. So gebe ich gern den Bildern den Vorzug. Das erste entstand bei einem Herbstgang durch den Potsdamer „Wildpark“ am letzten Sonntag. Weiterlesen

Maxie Wander, gegenwärtig

Als Elfriede Brunner wurde sie am 3. Januar 1933 in einem Wiener Arbeiterviertel geboren. Als Maxie Wander wäre sie heute 80 Jahre alt. Abitur hätte sie machen sollen, verließ aber mit Siebzehn die Schule und versuchte sich als Sekretärin, Fotografin, Journalistin, Drehbuchautorin. 1956 heiratete sie den 16 Jahre älteren Fred Wander, Sohn galizischer Zuwanderer, der 1955 den ersten Studiengang am Leipziger Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ belegte. Seit 1958 bis zu ihrem Tod im Jahr 1977 lebten beide in Kleinmachnow bei Berlin, die ersten Wochen in der DDR aber in einer 1925 erbauten Fabrikanten-Villa am Schwielowsee in Petzow, die nach mehrfachem Eigentümerwechsel der Schriftstellerverband der DDR seit 1955 als Erholungsheim nutzte. Weiterlesen