Erwin Wagenhofers „Alphabet“

Erwin Wagenhofers Film „Alphabet“ ist notwendig. Das sehen die staatstragenden Medien ganz anders. In hastigen Artikeln versuchen etwa die SÜDDEUTSCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN oder DER TAGESSPIEGEL die aufregende Dokumentation herunterzuschreiben. Allerdings verstreuen sie ihre Abneigung aus typisch bildungsbürgerlichen Gedankengängen, in denen das Wahrnehmungsvermögen komplexer Zusammenhänge bereits erfolgreich weggebildet wurde. Zukunft ist für die beiden Autorinnen nur noch eine Frage der Zeit, während unsere Zukunft längst vor allem abhängig davon ist, ob wir noch in der Lage sind, das Gleichgewicht auf dem Planeten zu halten und unser momentanes Straucheln wieder auszubalancieren. Weiterlesen

Never Say Anythink

Der Historiker Josef Foschepoth, geboren 1947 und seit 2005 Professor für Zeitgeschichte am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität, hat schon vor einem Jahr dokumentiert, wie umfangreich die USA seit den Anfängen der Bundesrepublik die Kommunikation kontrolliert. Foschepoths Forschungen zeigen darüber hinaus, dass „die Bundesbürger bis 1989 von ihrem Staat systematisch bespitzelt wurden“ und trotz 2+4-Vertrag im vereinigten Deutschland „die National Security Agency der USA frei schalten und walten“ konnte. Weiterlesen

Lebensfrist

Eine gute Freundin ist mit Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium seit kurzem in einem Hospiz. Wie sie mit der Absehbarkeit ihrer Lebensfrist umgeht, wie ihr Leben, ihr Denken, ihre Wahrnehmung sich daraufhin verändert, versuche ich mir vorzustellen. Vergeblich. Ist das ein ‚Ausstattungsmangel‘? Ober ist mir das Leben nur erträglich, wenn ich seine Dauer nicht kenne? Offenbar ist es einfacher, mir das Nichtsein vorzustellen und mit ihm umzugehen, als mit der genauen Kenntnis der eigenen Lebensfrist. Weiterlesen