Putins Untat

Wie komme ich auf die seltsame Idee, den mir nicht sonderlich sympathischen russischen Regenten ausgerechnet nach seinem Handstreich, mit dem er die Krim heim ins Russische Reich geholt hat – eine großmächtige Sauerei sondergleichen -verteidigen zu müssen? Weil westliche Staatshäupter und ihre ach so seriösen Meinungsmacher ihn mit einer Unverschämtheit und Verlogenheit an den Pranger stellen, die unerträglich ist. Welch Heuchelei, Putins ‚Rückholaktion‘ als bösartigste Völkerrechtsverletzung zu brandmarken und peinliches Stillschweigen darüber zu bewahren, dass die USA unter jedem ihrer Präsidenten (außer Jimmy Carter) seit Ende des Zweiten Weltkrieges mit gewaltiger krimineller Energie fern der Heimat und fern aller demokratischen und völkerrechtlichen Regeln mit lächerlichen Schutzbehauptungen geheimdienstliche, militärische und ökonomische Strafaktionen und Übergriffe praktizieren.

 

„Arbeit und Struktur“

Mit dem Titel „Arbeit und Struktur“ erschien im Herbst 2013 als Buch der Blog des Schriftstellers Wolfgang Herrndorf. Nach Ai Weiwei’s „Der verbotene Blog“ ist es das zweite publizierte Internet-Tagebuch, das ich gelesen habe. Herrndorfs zwischen Mut und Verzweiflung dokumentierte letze Lebenszeit mit einem Glioblastom, einem tödlichen Gehirntumor, hat meine Neugier geweckt. Weiterlesen

WurzelÜbel

Wenn ein Übel, das an der Wurzel sitzt, schon mal behandelt wurde und sich doch wieder einstellt, gibt es im Zahnfall noch eine zweite Chance: die Wurzelspitzenresektion. Heute Vormittag ließ ich sie geschehen, und sie scheint gelungen, denn neun Stunden später tut es nach intensiver Kühlung kaum noch weh. Die Alternative wäre die Entfernung des Zahnes gewesen. Das wollte ich unbedingt vermeiden, weil es sich um den Backenzahn handelt, den hintersten in der Reihe und in dieser Lage körperlich und seelisch bedeutsam: Er hält meinen Kauapparat zusammen und gibt mir das Gefühl, den unweigerlichen Körperverfall in dem Moment an dieser Stelle erfolgreich aufzuhalten.

Tagesnotizen

– Das Leben kann Spaß machen, aber es ist keiner.

– Das Grinsen des Uli Hoeneß sagt mehr (über uns) als alle Prozessberichte.

– Im reichen Industrieland Japan hausen drei Jahre nach Fokushima noch Hunderttausende der aus den verstrahlten Gebieten Evakuierten in würdeloser Armseligkeit.

– Die Ukraine zerfällt im Gezerre von Machtansprüchen, und die Menschen werden wieder mal nichts anderes tun (können), als ihre Enttäuschung mit den Fetzen zu bedecken, die übrig bleiben.

Mit diesem Eintrag öffne ich den Blog zu einer Plattform für Diskurse über Hunger und Tatendurst, Macht und Vermächtnisse, Lüste und Abscheu, Besitzgier und Atemnot … Kein Tagebuch der Selbstbeschau, sondern um der Balance willen (ohne die eine lebensfähige Zukunft unmöglich ist) rücksichtslos Krücken zertrümmernd: für ein selbstbestimmtes Leben aus dem Augenblick heraus.