niedere Beweggründe

In der ideologisierten Welt sind es Staaten, in der kapitalisierten Welt Unternehmen und in der religiösen Welt Kirchen, die, von Selbstzweifeln frei, immer wieder erklären, am besten geeignet zu sein, Verantwortung für Mensch und Natur zu übernehmen und dabei nichts als unser aller Wohl im Sinn zu haben. Dafür sollen wir ihnen die unsere übertragen, sollen wir sie wählen und mit aller Kraft unterstützen, wenn es sein muss bis zum letzten Atemzug oder Blutstropfen. Tunlichst verschweigen sie uns, dass stets nur ein Teil der Gesellschaft, meist eine Minderheit, der sie natürlich angehören, Vorteil aus diesen Anstrengungen zieht.  Weiterlesen

Lebenslauf

Die scheinbare Beschleunigung meiner Lebenszeit zum Ende hin erklärt sich nicht, wie mancher Möchtegern-Einstein mir weismachen will, aus einer physischen oder physikalischen Relativität der Zeit, sondern ganz im Gegenteil aus ihrem gleichförmigen Verlauf. Was ich wahrnehme, ist nichts anderes als die Schrumpfung des Verhältnisses von noch verbleibender zur gesamten Lebenszeit, das sich mit dem Lebensende in Nichts auflöst. Unabhängig davon, ob ich mir dieses Ende vorstellen will oder kann, spüre ich es immer deutlicher und näher und muss zur Kenntnis nehmen, dass jede ernsthafte Auflehung nur lächerlich ist. Wenn etwas von mir bleiben soll, muss ich es bis dahin entäußert haben.

Irgendwo ist immer Krieg

Krieg ist kein Naturgesetz, sondern ein Strukturgesetz. Er entsteht aus den künstlichen Hierarchien, die entwickelt wurden, um Eigentum zu behaupten und gegen andere zu verteidigen. Kriegsbereit sind nicht jene, die wenig haben, sondern jene, die wenig zu befürchten haben und sich stark fühlen. Sie rufen zu den Waffen, erteilen Einsatzbefehle und lassen kämpfen. Irgendwo ist immer Krieg. Weiterlesen

über die Verhältnisse

Warum sollte ich nicht länger über meine Verhältnisse leben?
Warum soll ich auf etwas verzichten, das ich haben kann?
Und wenn ich es habe, warum verliere ich es so ungern, wo ich doch weiß, dass es mir sowieso nicht für immer bleibt?
Warum will ich besitzen und den Augenblick des Besitzes dehnen, anstatt den nächsten vorzubereiten, in dem es mir etwas weniger besser gehen sollte als denen, denen es schlechter geht?
Warum habe ich lieber ein schlechtes Gewissen?
Wem nützt ein besseres?