feuer und glut

nie war ich ein freund

lodernder flammen ein pyromane

schlummert nicht in mir

aber immer hat mich die glut

inspiriert, der vermeintliche rest

ihr tatsächlicher grund

wenn städte im nachtlicht erschienen

oder lavaströme in rissen von ästen

oder pulsierende mäander

oder magische schriften

sich zeigten, um enträtselt zu werden

und inzwischen erloschen sind

oder in der warmen asche

noch lauern, in der verbliebenen zeit

in einem hoffnungsdunkel

Z

Ein Schmuckanhänger in Form eines schwarzen Blitzes, den meine Tochter kürzlich am Hals trug, erinnerte mich an Gilles Deleuze und sein „Abécédaire“. Darin, in einem als Film veröffentlichten Gespräch, das seine ehemalige Studentin und lebenslange Freundin Claire Parnet mit ihm führte, verknüpft der Philosoph ausgesuchte Begriffe entlang des Alphabets mit Biographem und endet – 1988 und 1989 geschah das in drei mehrstündigen Sitzungen – bei Z: Weiterlesen

Projektionen

Im Alter von Dreizehn oder Vierzehn bekam ich einen Globus geschenkt. Warum beutzte ich ihn so gut wie gar nicht und nahm, wenn ich die Kontinente und Meere betrachten wollte, nach wie vor Lexika oder Atlanten zur Hand? Vielleicht, weil ich dort alles auf einmal sah? Dass diese Darstellungen zum Teil deutlich von denen auf dem Globus abwichen, bemerkte ich lange nicht. Weiterlesen

ein Gefühl

Über ein Gefühl nachdenken können, ist ein einzigartiges Privileg. Die Sorge, es dabei zu zerstören, halte ich für ebenso unbegründet wie die Erwartung, es mit Gedanken vertiefen oder gar kontrollieren zu können, denn ein Gefühl ist ein viel komplexeres Gebilde als ein Gedanke. Mit ihm erst lebt mein Körper, das vermeintliche Hirngefäß, und lässt die Welt in mich hinein. Handelt es sich um ein Gefühl von Menschen füreinander, wirkt es sich ebenso auf den anderen aus. Weiterlesen

zwei Zukunftsretter

1

In seinem Projekt „Instituto Terra“ rekonstruiert Sabastião Salgado seit 1999 auf einer Fläche von 600 Hektar Atlantischen Regenwald. Salgado, der Wirtschaftswissenschaft studierte, bevor er als Fotograf mit Bildbänden wie „Workers“, „Exodus“ oder „Migranten“ weltweit bekannt wurde, tut das gemeinsam mit seiner Frau Lélia, ihrem Sohn Juliano und weiteren HilfReichen auf der Bulcão Farm bei Aimorés. Die 450 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro gelegene Familienfarm war wie viele in der Region Ende des vorigen Jahrhunderts durch rücksichtslose Viehhaltung verwüstet. Der Boden war ausgedörrt, das Wasser verschwunden und mit ihm ein üppiger Bewuchs samt allem, was in ihm hauste. Weiterlesen

Selbstzufriedenheit

Unser bisheriges Wohlstandsmaß, das Bruttonationaleinkommen (früher Bruttosozialprodukt) scheint immer unzureichender abzubilden, wie wohl wir uns tatsächlich fühlen. Das liegt zum einen daran, dass die Endprodukte und Dienstleistungen, die wir produzieren, immer ungleicher verteilt werden, ohne dass es einen einzigen vernünftigen Grund dafür gäbe. Zum anderen richten wir mit dem Geschaffenen und Geleisteten inzwischen so viel Unheil an, dass, statt unser Wohlbefinden auszuweiten, ein immer größerer Teil des BNE aufgebracht werden muss, um die angerichteten Schäden wieder zu beseitigen. Weil der Mensch ein UnTier ist? Auf jeden Fall ist er mehr als der Homo oeconomicus, zu dem er (sich) im Kapitalismus degeneriert. Will aber vor allem zufrieden sein! Wenigstens in Frieden ruhn. Weiterlesen

Kunstreise nach Venedig IV

Etwas ganz anderes gelingt Anne Imhof. Im Berliner Hamburger Bahnhof, heute ein Museum für Gegenwart, habe ich vor einem Jahr einen Teil ihrer multimedialen Performance „Angst II“ erlebt. Mutig hatte sie dort, mit dem Kunstpreis der Nationalgalerie im Rücken, eine zuvor in Basel inszenierte ‚Oper‘ fortgesetzt. Mit Tänzern und Tieren, mit Schall und Rauch hatte sie den mächtigen Raum vermessen und mit Bedeutung gefüllt, mit jungen schönen androgynen Menschen, die sich darin in einer Mischung aus Choreographie und Improvisation bewegten. Es war faszinierend, nur Angst hatte ich in keinem Moment.

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