Wind of Change

Was für ein Morgen! Was für ein Aufschrei in der ach so freien Welt über einen Wahlsieger, der den bis zur Gemeingefährlichkeit naiven Amerikanern wochenlang vorgeführt hat, wie leer die Worthülsen Freiheit und Demokratie im zivilisierten Westen inzwischen sind und wie verkommen ein Establishment, das sich in einer Glamourwelt inszeniert, weitab von jedem Lebenssinn und globalen Notwendigkeiten.

Es gibt im Moment wahrlich keinen Grund, den neuen Präsidenten Donald Trump zu respektieren oder gar zu feiern. Aber das Wahlvolk hat einen: sich selbst! Intuitiv und bitter notwendig, scheint es sich der eigenen prekären Lage allmählich bewusst zu werden, der eigenen Zukunftslosigkeit inmitten einer Lebensweise, die weit über jedes verträgliche Maß hinausgeht. Wird seine erste dreiste Eigenbewegung nach verschwendeten Jahrzehnten ausreichen, das Gefährt, in dem es ins Ausweglose rollt, (recht und schlecht versorgt und bei Laune gehalten, während der übertourte Motor im Leerlauf heult, weil das Getriebe längst zuschanden ist), zu verlassen und so nachhaltig zu demolieren, dass es bewegungsunfähig wird?

Für den Augenblick hat es den Anschein. Der wird aber nicht länger dauern, als bis die immer bereite Schar der Staatsdiener sich gefangen hat und alles daransetzt, das Volk wieder einzufangen. Bis dahin ist die arroganteste Macht der Welt allerdings erschüttert. Bis dahin bleibt die unerwartete Gelegenheit, sich demokratischer Strukturen zu erinnern und Tycoone, Magnaten, Mogule, Makler, Manager, Lobbyisten, Datensammler, Waffenschmiede, Befehlsgeber und Rückgratverkrümmer aller Art in Frage zu stellen. Mindestens sollte die Zeit ausreichen, sich bessere Zeiten vorzustellen und zu sehen, dass sie noch möglich sind.

Ein Gedanke zu “Wind of Change

  1. In vielem hast du sicher Recht. Dennoch kommt jetzt ein Aber von mir. Zunächst finde ich es zumindest bedenklich, wie nahe Realität und Reality-TV zusammenrücken. Und dann fühle ich mich als Frau von diesem Menschen irgendwie angeschmuddelt – ich kann mir nicht helfen. Was ich auch sehr bedaure ist das zunehmende Kultivieren von Rohheit, Hass, bzw. dem unreflektierten Ausleben von jeglichem Frust. Unter dem Motto: „Hauptsache weg von mir!“. Das hängt aber nicht nur mit dem neuen amerikanischen Präsidenten zusammen, sondern nimmt rund um die Welt zu.
    Bei genauem Hinschauen wird mir klar, dass gerade das in der Weltgeschichte immer als Triebkraft für Revolutionen oder Wechsel wirksam werden konnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, ist meines Erachtens davon abhängig, wie viele Menschen sich hilflos oder auch benutzt fühlen. Damit hängt dann auch wieder Macht und Ermächtigung zusammen.
    Gespannt darf man auf jeden Fall sein, wie nun die Ankündigungen belebt werden. Das ist zumindest keine geringe Herausforderung. Vielleicht hilft es ja auch, eigene Prioritäten besser zu sortieren.
    Zur Überschrift „bitter notwendig“: „2010 wurden Bitterstoffrezeptoren auch in den Bronchien nachgewiesen. Treffen entsprechende Substanzen auf diese, erweitern und entspannen sie die Bronchien, was das Einatmen erleichtert.“ Spannend!

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