niedere Beweggründe

In der ideologisierten Welt sind es Staaten, in der kapitalisierten Welt Unternehmen und in der religiösen Welt Kirchen, die, von Selbstzweifeln frei, immer wieder erklären, am besten geeignet zu sein, Verantwortung für Mensch und Natur zu übernehmen und dabei nichts als unser aller Wohl im Sinn zu haben. Dafür sollen wir ihnen die unsere übertragen, sollen wir sie wählen und mit aller Kraft unterstützen, wenn es sein muss bis zum letzten Atemzug oder Blutstropfen. Tunlichst verschweigen sie uns, dass stets nur ein Teil der Gesellschaft, meist eine Minderheit, der sie natürlich angehören, Vorteil aus diesen Anstrengungen zieht. 

In der Regel geht das gut oder, aus der Perspektive der Mehrheit betrachtet, schlecht. Erst wenn sie ganz und gar die Beherrschung verlieren, wenn die Gier sie übermannt und ihr hemmungsloser Eigennutz allzu deutlich wird, wenn massenhaft Unmut sich regt, Zorn sich zusammenballt und ihre Throne ins Wanken bringt, streuen Politiker, Konzernbosse und Heilsversprecher sich ein wenig Asche auf ihre Häupter, gestehen dann die eine oder andere Unzulänglichkeit ihrer Systeme ein, weisen aber grundsätzliche Kritik von sich. Sie stellen die Beseitigung marginaler Mängeln in Aussicht und lasten die systemischen dreist der Mehrheit an. Nicht im Traum denken sie daran, ihre clever organisierte Welt zu verändern.

Blieben die niederen Beweggründe auf der Ebene der Moral und Ethik, ließe sich auf bessere Zeiten hoffen. Allerdings stellen sie inzwischen die Zukunft in Frage. Schamlos verbrauchen Staaten und Unternehmen aber auch religiöse Umtriebe Ressourcen über die Verträglichkeitsgrenzen hinaus oder beschädigen sie irreparabel. Das kostet uns heute oft immer noch nicht mehr als das Lächeln, unseren Nachkommen aber mit Gewissheit das ganze Lebensglück.

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