fehl am Platz

Mittags in der Rathauskantine, ich sitze allein an einem Sechsertisch, tritt ein Krawattenträger mittleren Alters heran und fragt, ob bei mir noch frei wäre. Die weniger unsinnige Frage, ob ich einverstanden sei, dass er sich zu mir setze, zieht er nicht in Betracht. Der tadellose dunkelgraue Anzug verrät einen Möchtegernchef in mittlerer Hierarchieebene, vermutlich im Bank- oder Versicherungswesen. Widerwillig zerstückelt und zerkaut er ein Jägerschnitzel, gabelt Spirelli, schleift sie durch Tomatensouce und schleudert nicht sonderlich erfolgreich Salz und Pfeffer aus den verklebten Streuern.

Da gehen zwei junge Frauen vorüber und zeigen sich erstaunt, ihm hier zu begegnen. Das werde auch nicht wieder vorkommen, versichert er. Das Essen sei furchtbar und nur das schlechte Wetter die Ursache für seinen Kantinengang. Jedes weitere Wort ist ihm zuviel, ein Lächeln sowieso. Den Teller isst er leer und lässt ihn stehen und geht natürlich ohne Gruß davon.

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