John Nash

Der US-amerikanische Mathematiker John Nash (1928) hat eine für die Menschheitszukunft vielleicht entscheidende Entdeckung gemacht. In seiner „Non-cooperative Games“ betitelten, ganze 25 Seiten umfassende Dissertation auf dem Gebiet der Spiele-Theorie, mit der er 1950 an der Princeton-Universität bei New York promovierte, bewies er das sogenannte „Nash-Equilibrium“. Es beschreibt ein Gleichgewicht, in dem in einer Konkurrenzsituation mit zwei oder mehreren Kontrahenten, einer auf einen momentanen Vorteil verzichtet, weil er auf lange Sicht für alle Beteiligten, also auch für sich, einen sehr wahrscheinlichen Nachteil erwarten muss.

„Das Nash-Gleichgewicht ist eine Strategienkombination, in der keiner der Spieler einen Anreiz hat, als Einziger von der Gleichgewichtskombination abzuweichen.“

Das ist eine einfache Formulierung, die Nichtmathematikern den Gehalt der Formel annähernd beschreibt. Im Kern geht es darum, dass ich kein Idealist sein und nicht erst eine hohe sittliche Gesinnung erwerben muss, um das System, in dem ich eingebettet bin und zu dem ich mit meiner Denk- und Lebensweise fortwährend beitrage, so zu verändern, dass es eine Chance auf eine lebenswerte nähere Zukunft wahrt.

Zehn Jahre später erkrankte John Nash so schwer an Schizophrenie, dass er in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wurde. Dreißig Jahre rang er mit seiner Bewusstseinsabwegigkeit, verweigerte medikamentöse Betäubungen und gewann – unglaublich aber wahr – sein Selbst zurück. Ebenso lange brauchten seine bei Verstand gebliebenen Kollegen, die Tragweite dieser Formel zu begreifen. Erst die globalen Verheerungen, die wir dem Systemen Kapitalismus und Nationalismus mit ihren Ressourcenvernichtungen und ruinösen Strategien verdanken, nähren die Vermutung, dass sie vielleicht unser einziger Ausweg ist.

Es gibt einen mit vier Oscars dekorierten Hollywood-Film aus dem Jahr 2001, in dem die grandiose Leistung des Schauspielers Russel Crowe sentimentalen Hollywood-Kitsch einigermaßen überspielt. Es gibt das vielschichtigere Buch „A Beautiful Mind: A Biography of John Forbes Nash, Jr., Winner of the Nobel Prize in Economics“ der Wissenschaftsjournalistin Silvia Nasar, das die außergewöhnliche Leistung des mathematischen Genies erschließt.

„Falls sich in 300 Jahren jemand fragt, was das 20. Jahrhundert in sozialwissenschaftlicher Forschung hervorgebracht hat, dann wage ich vorherzusagen, dass das Nash-Gleichgewicht ganz oben auf der Liste stehen wird; vielleicht wird es auch der einzige Punkt auf der Liste sein“, schrieb 2006 Christian Rieck, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität.

 

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