Kapitalozän

Es gibt keine parallelen Gesellschaften und schon gar keine parallelen Welten. Es gibt allerdings parallele Wahrnehmungen der Welt, entweder mangels Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen oder, schlimmer, in der Absicht, sie zu vertuschen.

Insofern ist Kapitalozän ein aufklärendes Wort. Es besagt, dass der Mensch, seit er im Holozän auf der Bildfläche erschien, dieses Erdzeitalter nicht nur prägt, sondern inzwischen – langsam wirken sie sich aus – Veränderungen in der Natur verursacht, die bereits bedenkliche und unumkehrbare Fakten schaffen.

Kapitalozän bedeutet, dass sich auf diesem Planeten nicht mehr nur die Natur aus den Tiefen des Raumes heraus strukturiert, sondern zu einem Schlechtteil auch der bewusst agierende Mensch und das nach nur ein paar Jahrzehntausenden Entwicklungsgeschichte.

Zu einem Schlechtteil, obwohl dieses begabte Lebewesen lange schon Besseres weiß und tun könnte! Aber in der Resultante reicht sein Bewusstsein immer nur bis zur Selbst-Zufriedenheit – oder fortwährender Unzufriedenheit, je nach Perspektive. Sie ist und bleibt für ihn das Maß aller Dinge. An ihr arbeitet er sich ab. Mit ihr arbeitet er sich – systemisch! – heraus aus der Vernunft und hangelt, zum Homo oeconomicus deformiert, affenhaft an Exponentialfunktionen entlang. Es wird kein Zufall sein, wenn er sich auf diese Weise auch der Zukunft entledigt – kein Opfer, sondern ein suizidärer Täter!

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