keine Wahl

Keine Wahl heißt: Ich habe keine Wahl.

Ich habe sie auf keinen Fall, wenn es um den nächsten Deutschen Bundestag geht. 34 Parteien gaukeln Vielfalt vor, aber nur fünf von ihnen kommen für die nächste Regierung in Betracht. Welche, ist letztlich belanglos, denn in jeder Konstellation werden sie als Lobby von Wirtschaft und Kapital die Zweiklassengesellschaft befördern.

Die Schere zwischen Arm und Reich wird weiter auseinander gehen, ein landesweiter Mindestlohn, von dem sich annehmbar leben lässt, wird weiterhin vermieden werden, gute Gesundheitsversorgung, Schul- und Hochschulbildung werden vor allem der Mittel- und Oberschicht zur Verfügung stehen.

Warum sich die Mehrheit das bieten lassen wird und in einem Monat zur Urne schreiten, um ihre Stimme abzugeben, liegt vor allem daran, dass viele sehen, wie überdurchschnittlich gut es ihnen im weltweiten Vergleich geht, während sie ahnen, dass das nie wieder so sein wird wie im Augenblick. Sie hoffen nicht auf größere Verteilungsgerechtigkeit, sondern auf die nationale Verteidigung ihres Besitzstands gegen einen langsam (für eine lebenswerte Zukunft vermutlich zu langsam) sich entwickelnden globalen Gleichgewichtssinn. Darauf, dass die nächste Regierung das mit all ihrer Macht versuchen wird, dürfen sie sich verlassen.

Demnach interessiert mich nicht, wer wen wählen wird, sondern wie viele sich in die Sackgasse der Stimmabgabe locken lassen? Wie viele werden bereit sein, ein insbesondere von den reichen Industrieländern geprägtes anthropozentrisches Weltbild zu stützen? Wie viele werden weiterhin die Auswirkungen verdrängen, die ihr unverschämter Wohlstand hat?

Keine Wahl heißt für mich: Ich gehe nicht zur Wahl!

Ich spiele das Spiel nicht mit, das die Politiker für mich inszenieren. Ich behalte meine Stimme, um sie für etwas zu gebrauchen, das mir aussichtsreicher erscheint: für ein über den nationalen Tellerrand hinausreichendes Bemühen um ein Dasein, das für jedes Menschenkind auf der Welt lebenswert ist und, das liegt auf der Hand, mit unbequemen Konsequenzen für mein eigenes verbunden ist.

3 Gedanken zu “keine Wahl

  1. du hast ja recht, aber ich werde trotzdem zur Wahl gehen und die Linken wählen, damit wenigstens einer im Bundestag etwas gegen Kriegseinsätze sagt und die Interessen der Prekarier vertritt

    • Und das ist, liebe Iris, aus der Situation des Augenblicks heraus, um den wir natürlich nicht herumkommen, ganz und gar akzeptabel. Die Reaktion der Linken auf die herrschenden Verhältnisse ist aller Ehren wert, problematisch wird es meiner Meinung nach dann, wenn sie in den vorhandenen Strukturen agieren will oder muss. Ein Mindestlohn lässt sich darin vielleicht noch verwirklichen, aber ein mehr als kosmetischer Eingriff in globale Strategien und Interessenlagen der Nationalstaaten und Globalplayer wird mit den Spielregeln der parlamentarischen Demokratie westlich-liberaler Prägung wohl nicht gelingen.

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