Merkur, Mond & Morgenhimmel

motiv-2016-09-29_02-leipzig-mond-u-merkurNahe beieinander zeigten sich Mond und Merkur am heutigen Leipziger Morgenhimmel. Tatsächlich sind die beiden Wandler in verschiedener Hinsicht verwandt. Zum Beispiel sind sie ähnlich groß und haben eine besondere gravitative Beziehung zu ihrem Himmelsnachbarn. Während der Mond in der gleichen Zeit, in der er um die Erde kreist, sich einmal um sich selber dreht, vollführt Merkur während zweier Sonnenumrundungen exakt drei Drehungen um die eigene Achse. Gebundene Rotation nennt der Astronom dieses Phänomen.

Weil es in mitteleuropäischen Breiten nicht einfach ist, den sonnennächsten Planeten mit bloßem Auge zu sehen, hat das Himmelsbild mit dem Erdtrabanten einen zusätzlichen Seltensheitswert. Noch spektakulärer ist sein Erscheinen bei einer Sonnenfinsternis am Tageshimmel. Und schließlich gibt es etwa aller drei Jahre einen Merkurtransfer, bei dem der Planet für den Beobachter als kleine schwarze Scheibe den Sonnenkreis durchquert. motiv-2016-09-29_01-mond-und-merkurSein Name bezieht sich auf den römischen Gott und Götterboten Mercurius. Seine Erscheinungsweise als rastloser, meist unsichtbarer Wandelstern wird es gewesen sein, weswegen er schon für die antiken Griechen den Schutzpatron der Händler, Wegelagerer und Diebe symbolisierte. Die Römer nannten einen Wochentag, abgeleitet vom Lateinischen mercari (Handel treiben), dies Mercurii. Die Germanen schrieben denselben Tag, unseren Mittwoch, Gott Wotan zu (im Englischen Wednesday, im Niederländischen Woensdag).

Mit Phantasie hat auch Quecksilber solch schwer greifliche Eigenschaften. Im Mittelalter übernahmen die Alchemisten die antike Zuordnung, und bis heute heißt das flüssige Metall im Englischen mercury und im Französischen mercure. ‚Quecksilbrig‘ wird gern genannt, wer besonders agil oder lebendig oder von innerer Unruhe erfüllt ist.

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