offene Zukunft

Es ist etwas ganz Verschiedenes, ob ich die Zukunft für offen halte oder ob ich meine, ich könne sie nur (noch) nicht erkennen. In diesem Fall halte ich sie nämlich grundsätzlich für vorbestimmt, und das entlastet mich für den Moment. Weil ja dann nur kommen kann, was kommen muss, unabhängig davon, ob mir etwas glückt oder misslingt. Im anderen Fall gibt es keine Narrenfreiheit mehr. Dann kommt es – und davon bin ich überzeugt – stets und ständig darauf an, was ich in meinem überschaubaren und in jeder Hinsicht begrenzten Lebensraum tue oder lasse. Dann bin ich gehalten, alle Kraft und Kreativität zu mobilisieren, um – meinen augenblicklichen Neigungen und Intentionen folgend oder auch ihnen entgegen – die Zukunft offen zu halten.

Indessen ist das Gegenteil herrschende Praxis. Die aber ist weder schicksalhaft, noch leitet sie sich von irgendwelchen höheren Vorgaben ab, wie sie die Religionen als vermeintlich göttliche Regeln verbreiten. Nein! Wir ganz allein haben die Strukturen gebildet und zu verantworten, die eine global eskalierende und in sich immer weiter auseinanderlebende Menschheit zur Folge hat. Obwohl diese Regeln, folgte man ihnen auf’s Wort, genau das Gegenteil bezwecken sollten: eine globale Balance inmitten der natürlichen Umwelt und eine zwischenmenschliche Ausgewogenheit, für die wir gern die Begriffe Gleichheit und Menschenwürde im Munde führen. Zu gleichwertigen Taten langt es nicht, und nach einer Reihe gutwilliger Versuche sind die meisten, meist erschöpft, doch bereit, an diesseitige Vorsehungen und ein (besseres) Jenseits zu glauben.

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