Sphärenklang und Gleichgewicht

„Die Sonne tönt nach alter Weise / in Brudersphären Wettgesang, / und ihre vorgeschriebne Reise / vollendet sie mit Donnergang.“ So eröffnet Goethe im Jahr 1808 den Prolog zu seinem „Faust“.

„Im Menschen ruht ein großes ungeheures Etwas, was keine Zunge verkünden kann und es erwacht auf hohen Bergen oder beim Sonnenuntergange oder bei den Tönen“, schreibt Robert Schumann 1828 in seinem Aufsatz „Die Tonwelt“.

1943, in schlimmer Zeit, entwirft Hermann Hesse in seiner Zukunftsvision „Das Glasperlenspiel“ eine irdische Enklave, in der mit Mathematik und Musik alles Wissen zu einem universalen Ganzen verknüpft wird.

Seit der antike Bildungskanon mit den Sieben freien Künsten (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie) die Erkenntnis der Welt zu systematisieren begann, schien nun endlich, angesichts der bedenklichen Folgen eines uferlos wuchernden Wissens, die Zeit gekommen, sich wieder auf seine Ganzheit zu besinnen.

Der griechische Philosoph Pythagoras von Samos (570 bis 510) nahm einen himmlischen Urklang an, der sich aus den Bewegungen der Gestirne zusammensetzt. Demnach erzeugt jeder Planet einen immer gleichen Ton, der von seiner Geschwindigkeit und dem Abstand zum Weltmittelpunkt, der Erde, abhängt. Abweichend davon schrieb Platon (428 bis 348) im letzten Buch seiner „Politeia“ die Ursache für die Sphärenharmonie nicht der Physik zu, sondern der Mythologie. Acht Sirenen, die den Himmelssphären zugeordnet sind, sollen je einen konstanten Ton von sich geben, deren Einklang die Welt im Gleichgewicht hält. Beide Theorien münden in die gemeinsame Vorstellung, dass dieser Klang auch jedem Menschen innewohnt und mit unseren Ohren nur deswegen nicht zu hören ist, weil die Sphärenmusik ewig klingt. So fehlt uns die Erfahrung der Stille, ohne die ein Geräusch oder Klang nicht wahrnehmbar sei.

In der Verlängerung dieses Gedankens wäre die irdische Musik eine Transformation der kosmischen. Mit ihr ließe sich aus der uns wahrnehmbaren Welt eine Struktur ablauschen, in der ein körperliches, seelisches und gemeinschaftliches Gleichgewicht als Voraussetzung für ein erfülltes Leben gefunden werden kann.

In jüngster Zeit setzt der freie Forscher Hartmut Warm die Bewegung verschiedener Planeten in mathematische Verhältnisse. Die grafische Darstellung dieser über lange Zeiträume hinweg gewonnenen Daten bringt Muster wie den abgebildeten Fünfstern hervor. Er zeigt die Beziehung der Umlaufbahnen von Erde und Venus in einem Zeitraum von acht Jahren. Akustisch lassen sich die Daten in musikalische Intervalle und schließlich in Klangbilder umwandeln, die eine planetare Harmonie nahelegen.

http://planeten-musik.de/1000-jahre-sphaerenmusik-nach-hartmut-warm-keplerstern-verlag/