Menschen im System I

Soziologen wissen, dass feste soziale Bindungen die Grundlagen der menschlichen Existenz sind, nicht zuletzt weil wir mindestens ein Viertel unseres Lebens als Kinder, Alte oder Kranke von der Sorge und Pflege durch andere abhängen. Gemeinschaft ist unser Zuhause, und ein beträchtliches Maß unserer körperlichen und geistigen Kräfte wenden wir in der Zwischenzeit auf, Zuwendung zu organisieren. Weiterlesen

Vergewisserung

Noch stehe ich aufrecht und laufe auf der Erde umher, diesem unfassbar komplexen, grenzenlos erscheinenden und doch so deutlich abgeschlossenen Lebensraum. Mit meinem Bewusstsein – vielleicht das größte Wunder aller Zeiten! – könnte ich begreifen, wie töricht es ist, ihn einschränken und mich darin von anderem Leben abgrenzen zu wollen oder sogar – wie absurd! – von meinesgleichen. Es ist ebenso töricht, wie jegliche Ressourcen nur aufbrauchende und Abläufe nur zerstörende Lebensweise. Weiterlesen

ahnungsvoll unwissend

sind wir, wenn es um Zukunft geht. Keinen Blick voraus öffnet unser Denkvermögen, auf das wir so stolz sind. Allenfalls versetzt es uns in die Lage, Vorahnungen zu produzieren. Ganz etwas anderes wäre es, einen Vorteil daraus ziehen zu können, schon wegen der erschütternden Erkenntnis, dass es kein persönlicher Vorteil sein wird, den unsere Lebensfrist weitgehend ausschließt.

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Nash-Gleichgewicht

Das Nash-Gleichgewicht „beschreibt in nicht-kooperativen Spielen eine Kombination von Strategien, wobei jeder Spieler genau eine Strategie wählt, von der aus es für keinen Spieler sinnvoll ist, von seiner gewählten Strategie abzuweichen.“ Daher ist „jeder Spieler auch im Nachhinein mit seiner Strategiewahl einverstanden“ und „würde sie wieder genauso treffen. Die Strategien der Spieler sind demnach gegenseitig beste Antworten.“ Insofern sind die Spieler und ihre Strategien verlässlich. Strukturen, die daraus folgen, haben gute Chancen, dauerhaft zu sein. Weiterlesen

Ameisen

Ameisenforscher haben jetzt herausgefunden, dass diese Tierchen je nach Lebensalter verschiedene Aufgaben (für die Gemeinschaft) zu erfüllen haben. Die jungen Erwachsenen kümmern sich um die Kinder, die Lebenserfahrenen organisieren die Versorgung und die, die ‚voll im Saft‘ stehen – räumen die Bude auf. Wie bitte?

Aber das ist es doch! Mit genau dieser Arbeitsteilung lässt sich das Gleichgewicht in den eigenen Reihen halten, schlappe einhundert Millionen Jahre lang. Verloren geht es nämlich erst, wenn die Tatendurstigen sich aus dem Staub machen und die Gemeinschaft sie ziehen lässt, betört von dem Argument sich austoben zu müssen, vertrauend auf das Versprechen, es nicht zu doll zu treiben.

Mit diesem Eintrag beende ich die Test-Reihe mit thematischen Texten, mit denen ich über ein Jahr lang meinen Blog ausprobiert und Verschriftlichung akuter Gedanken geübt habe.

Erwin Wagenhofers „Alphabet“

Erwin Wagenhofers Film „Alphabet“ ist notwendig. Das sehen die staatstragenden Medien ganz anders. In hastigen Artikeln versuchen etwa die SÜDDEUTSCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN oder DER TAGESSPIEGEL die aufregende Dokumentation herunterzuschreiben. Allerdings verstreuen sie ihre Abneigung aus typisch bildungsbürgerlichen Gedankengängen, in denen das Wahrnehmungsvermögen komplexer Zusammenhänge bereits erfolgreich weggebildet wurde. Zukunft ist für die beiden Autorinnen nur noch eine Frage der Zeit, während unsere Zukunft längst vor allem abhängig davon ist, ob wir noch in der Lage sind, das Gleichgewicht auf dem Planeten zu halten und unser momentanes Straucheln wieder auszubalancieren. Weiterlesen

Fußabdruck und Artenschwund

Seit den 1970er Jahren wird diskutiert, ob die Belastung der Erde durch die Menschheit tragbar ist oder zum ökologischen Kollaps führt. Mit dem „ökologischen Fußabdruck“ fand Mathis Wackernagel vor knapp 20 Jahren einen Weg, diese Belastung für jeden Einzelnen zu berechnen und mit der Tragfähigkeit der Erde zu vergleichen. Dass wir auf viel zu großem Fuß leben, ist kein Geheimnis mehr. Im Beitrag „Fußabdrücke“ habe ich davon geschrieben. Weiterlesen