Kurban Said „Ali und Nino“ I

Eine „leidenschaftliche Ethnoromanze“ nennt die Internetausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ den Roman „Ali und Nino“. Seine Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte hält  der Verfasser des Beitrages für abenteuerlicher als den Roman selbst. Dieser erschien 1937 unter dem Pseudonym „Kurban Said“ in deutscher Sprache in Wien, ging während des Zweiten Weltkrieges verloren, tauchte in den 1970er Jahren erst als Rückübersetzung aus dem Englischen wieder im deutschen Sprachraum auf und erschien im Jahr 2000, Anlass des Artikels in „Die Welt“, in originaler Fassung im Ullstein Verlag. Weiterlesen

auf der Flucht

Ines Klitz: Ich bin erstaunt.

Peter Madei: Worüber?

IK: In Ihrem Essay „Der Club of Rome und meine Liebe zur sphärischen Geometrie“ …

PM: Der auf diesem Blog am Ende der „Vita“-Seite gelesen werden kann …

IK: Da steht: „Das Meer wird sich nicht teilen müssen, damit die erbärmlichen Schaluppen entbehrlich werden und Millionen ins kontinentale Europa strömen, um dort den Staatsgewalten die scheinheiligen Demokratiegewänder von den Wohlstandsleibern zu reißen und alle, die über ihre Verhältnisse leben, in die globale Realität zu befördern.“ Das haben Sie wann geschrieben?

PM: 2012.

IK: Darüber bin ich erstaunt. Weiterlesen

Juden Muslime Christen etc.

Ein besonderer Film ist die 2010 in Frankreich entstandene vierteilige Dokumentation „Juden & Muslime. So nah. Und doch so fern!“, die jetzt wieder bei Arte zu sehen war. Die Autoren Karim Miské, Emmanuel Blanchard und Nathalie Mars sammelten historisches Material aus 14 Jahrhunderten Glaubensgeschichte, befragten, ohne dem Christentum auszuweichen, Spezialisten für Judentum und Islamwissenschaft und montierten daraus das Beziehungs- und Konfliktgeflecht zwischen Juden und Muslimen seit der Entstehung des Islam auf der arabischen Halbinsel im 7. Jahrhundert n. Chr. bis zu den Mauren in Andalusien, den Maghreb, dem Osmanischen Reich und der Geschichte Jerusalems bis zur Zweiten Intifada im Jahr 2005. Weiterlesen

Tag der Befreiung

Seit Monaten versuche ich, vergeblich, für die grassierende verschleiernde Berichterstattung in den Medien einen gleichwertigen, einen gleich griffigen Begriff für das Wort ‚Lügenpresse‘ zu finden. Nicht so sehr, weil ich mich gegen seine Verwendung in der nationalsozialistischen Propaganda abgrenzen will, mit der das Wort vor knapp einhundert Jahren unrühmliche Popularität erlangte. Weiterlesen

Irgendwo ist immer Krieg

Krieg ist kein Naturgesetz, sondern ein Strukturgesetz. Er entsteht aus den künstlichen Hierarchien, die entwickelt wurden, um Eigentum zu behaupten und gegen andere zu verteidigen. Kriegsbereit sind nicht jene, die wenig haben, sondern jene, die wenig zu befürchten haben und sich stark fühlen. Sie rufen zu den Waffen, erteilen Einsatzbefehle und lassen kämpfen. Irgendwo ist immer Krieg. Weiterlesen

Buchenwald

Im Alter von 16 Jahren fuhr ich mit der Schulklasse zum ehemalige Nazi-KZ Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar. Ermattet ist die Erinnerung daran. Nach dem heutigen Rundgang wünsche ich mir eine Vorschrift, nach der alle Deutschen einmal aller zehn Jahre die grausige Stätte besichtigen müssen. Ausnahmslos. Wenn nötig hindurchgetrieben oder gekarrt.

KZ Buchenwald, Kunstinstallation

KZ Buchenwald, Kunstinstallation

Weil fast jeder unserer Vorfahren Hitlers ausgerufenes Tausendjährige Reich großmäulig unterstützt oder stillschweigend geduldet hat. Weil es kein besseres Beispiel gibt, das zeigt, wie wenig technischer Fortschritt du Kultur vor dem Schlimmstmöglichen schützen, das Menschen jederzeit bereit sind, einander anzutun. Im Gegenteil: wie selbstverständlich sie in den Teufelskreis der Inhumanität eingebaut wird, in dem wir, bilden wir uns bloß nichts ein, nach wie vor rotieren wie im Hamsterrad.

So trostlos und hilflos habe ich mich lange nicht mehr gefühlt wie bei diesem Gang, nicht zu vergleichen mit den alltäglich servierten Fernsehgreueln aus aller Welt. Das Wort Unmenschlichkeit irritiert mich in diesem Zusammenhang zunehmend. Ist die hemmungslose Bereitschaft zur Quälerei des Nächsten nicht mindestens so eingeschrieben in unseren Daseinscode wie die Nächstenliebe? Wieso dominiert uns die Gier nach Macht und Besitz trotz aller Warnungen und Bekehrungen fast nach Belieben? Wieso gelingt es nicht, im Konfliktfall die gegenseitige Gewalt als Lösungsmittel abzuwerten? Warum wird jede Suche nach dem bestmöglichen Lebensweg in aller Regel zur Suche nach dem eigenen Vorteil und zur rücksichtslosen Sucht?

fatal national

Die aktuellen Ereignisse um die Ukraine sind das beste Beispiel, dass die Nationalstaaten mit ihren ausgeklügelten Systemen es sind, die nach wie vor den primitivsten Nationalismus schüren. Wenn es eine offensichtliche Parallele zum Geschehen von vor einhundert Jahren gibt, das in den Ersten Weltkrieg mündete, dann diese. Nur dass statt der ideologischen Keulen, mit denen die Völker damals bearbeitet wurden, die heute ach so freie Berichterstattung längst Konsens mit den politischen Führungen hergestellt hat und uns in der raffiniertesten und unverschämtesten Art und Weise manipuliert, anheizt, aufhetzt. Im Namen der Demokratie. Ich wünschte, ihr Missbrauch wäre so strafbar wie der einer Minderjährigen. Aber würde das noch etwas nützen? Ist sie in unserer Obhut nicht längst eine willfährige Hure? Weiterlesen

Eingang ins AussichtsReich II

Wenn die Menschheit eine lebenswerte Zukunft nur mit gravierend veränderten politischen und ökonomischen Verhältnissen erreichen kann, scheint die Lage ausweglos. Andererseits wurde 1985 der Kolchosbauernsohn Michail Sergejewitsch Gorbatschow Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und 28 Jahre später ein gewisser Jorge Mario Bergoglio, Sohn eines nach dem Ersten Weltkrieg nach Argentinien ausgewanderten Italieners, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Weiterlesen