Selbstzufriedenheit

Unser bisheriges Wohlstandsmaß, das Bruttonationaleinkommen (früher Bruttosozialprodukt) scheint immer unzureichender abzubilden, wie wohl wir uns tatsächlich fühlen. Das liegt zum einen daran, dass die Endprodukte und Dienstleistungen, die wir produzieren, immer ungleicher verteilt werden, ohne dass es einen einzigen vernünftigen Grund dafür gäbe. Zum anderen richten wir mit dem Geschaffenen und Geleisteten inzwischen so viel Unheil an, dass, statt unser Wohlbefinden auszuweiten, ein immer größerer Teil des BNE aufgebracht werden muss, um die angerichteten Schäden wieder zu beseitigen. Weil der Mensch ein UnTier ist? Auf jeden Fall ist er mehr als der Homo oeconomicus, zu dem er (sich) im Kapitalismus degeneriert. Will aber vor allem zufrieden sein! Wenigstens in Frieden ruhn. Weiterlesen

FrageZeichen

Mit einem Fragezeichen endet der Titel der 2016 erschienenen, eben gelesenen Schrift „What Kind of Creatures Are We?“ von Noam Chomsky. Es ist der erste Satz. Das FrageZeichen, erwartete ich, würde dem Ende zu aufgelöst. Aber den Gefallen tut Chomsky mir nicht. Allerdings lässt er wissen, dass er selbst gern mehr wüsste. Weiterlesen

ZwischenZeiten

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Die Welt ist eitel. Vielleicht fehlt ihr der Ehrgeiz, sich erkennen zu wollen, aber sehen will sie sich schon. Dafür hat sie das bewusste Selbst ‚erfunden‘. In ihm einen EigenSinn zu suchen, halte ich für ein ehrgeiziges aber heikles Unterfangen. Ein großes Vergnügen kann es allerdings sein, sich in ZwischenZeiten, auf dieses Selbst bewusst einzulassen. Weiterlesen

offene Zukunft

Es ist etwas ganz Verschiedenes, ob ich die Zukunft für offen halte oder ob ich meine, ich könne sie nur (noch) nicht erkennen. In diesem Fall halte ich sie nämlich grundsätzlich für vorbestimmt, und das entlastet mich für den Moment. Weil ja dann nur kommen kann, was kommen muss, unabhängig davon, ob mir etwas glückt oder misslingt. Im anderen Fall gibt es keine Narrenfreiheit mehr. Dann kommt es – und davon bin ich überzeugt – stets und ständig darauf an, was ich in meinem überschaubaren und in jeder Hinsicht begrenzten Lebensraum tue oder lasse. Dann bin ich gehalten, alle Kraft und Kreativität zu mobilisieren, um – meinen augenblicklichen Neigungen und Intentionen folgend oder auch ihnen entgegen – die Zukunft offen zu halten. Weiterlesen

Zeit und Sinn

Hat die Entwicklung des Kosmos aus Strings, Quarks, Atomen und Molekülen hin zu Lebensformen, die wir beobachten und dass wir sie beobachten können, einen Sinn? Das wäre so, wenn sie kein Zufall wäre und die wachsende Differenzierung der Materie ein schlüssiges Nacheinander. Aber die Zeit, ohne die sie gar nicht erkennbar wäre, kommt erst spät ins Spiel. Genau genommen erst auf einer Stufe der Entwicklung, in der die Natur sich ihrer selbst vergewissern kann, im Selbst-Bewusstsein. Weiterlesen

„Victoria“

Selten hat mich ein Film so überrascht: Weil ich von mehreren vorab gelesenen und gehörten Besprechungen die eine, die ihm gerecht wird, überlesen habe. Sie ist von Michael Eckhardt und steht im aktuellen Leipziger Kinomagazin. Den fiktiven Bankraub im Berliner Milieu mit der technischen Finesse einer einzigen Kameraeinstellung wollte ich einfach nur gesehen haben. Weiterlesen

das Salz der Erde

„Ihr seid das Salz der Erde“, sprach der Wanderprediger Jeschua Ha-Nozri auf seiner Vortragsreise durch Galiläa und Judäa zu denen, die statt seinen Worten ihm selbst gefolgt waren. In einer eindringlichen Rede ließ er sie wissen, dass ihnen, sollten sie nicht in Schönheit verhallen, Taten würden folgen müssen, ihre Taten. Weiterlesen