FrageZeichen

Mit einem Fragezeichen endet der Titel der 2016 erschienenen, eben gelesenen Schrift „What Kind of Creatures Are We?“ von Noam Chomsky. Es ist der erste Satz. Das FrageZeichen, erwartete ich, würde dem Ende zu aufgelöst. Aber den Gefallen tut Chomsky mir nicht. Allerdings lässt er wissen, dass er selbst gern mehr wüsste. Weiterlesen

die Kinder von Gando

Das Dorf Gando liegt in Westafrika, im „Vaterland der ehrenwerten Menschen“. Weil in diesen Zeiten das Kapital die Welt regiert, ist es keine Überraschung, dass die Ehrenwerten auch in Burkina Faso nicht in Wohlstand leben und ihre Kinder in Goldminen Steine zerschlagen und Stollen graben, anstatt zur Schule zu gehen. Die gab es in Gando bis 2001 nicht, ebenso wenig wie bis heute fließendes Wasser und Elektrizität. Etwa Dreitausend Einwohner haben eine Lebenserwartung von knapp über 50 Jahren. Die Säuglingssterblichkeit liegt bei 20 Prozent (weltweit bei 3,8 und in Deutschland bei 0,3 Prozent) und kaum jeder Vierte kann lesen oder schreiben. Weiterlesen

Merkur, Mond & Morgenhimmel

motiv-2016-09-29_02-leipzig-mond-u-merkurNahe beieinander zeigten sich Mond und Merkur am heutigen Leipziger Morgenhimmel. Tatsächlich sind die beiden Wandler in verschiedener Hinsicht verwandt. Zum Beispiel sind sie ähnlich groß und haben eine besondere gravitative Beziehung zu ihrem Himmelsnachbarn. Während der Mond in der gleichen Zeit, in der er um die Erde kreist, sich einmal um sich selber dreht, vollführt Merkur während zweier Sonnenumrundungen exakt drei Drehungen um die eigene Achse. Gebundene Rotation nennt der Astronom dieses Phänomen. Weiterlesen

Vergewisserung

Noch stehe ich aufrecht und laufe auf der Erde umher, diesem unfassbar komplexen, grenzenlos erscheinenden und doch so deutlich abgeschlossenen Lebensraum. Mit meinem Bewusstsein – vielleicht das größte Wunder aller Zeiten! – könnte ich begreifen, wie töricht es ist, ihn einschränken und mich darin von anderem Leben abgrenzen zu wollen oder sogar – wie absurd! – von meinesgleichen. Es ist ebenso töricht, wie jegliche Ressourcen nur aufbrauchende und Abläufe nur zerstörende Lebensweise. Weiterlesen

Mondfinsternis

MOTIV 2015-09-28_01 Leipzig, Mondfinsternis, 04.42

Meine kleine Nikon Coolpix hat sich große Mühe gegeben und heute Morgen 04:42 Uhr diese Farbenpracht aus dem erdverschatteten Mond und seiner Kraterwüste gezaubert. Wie schön erst muss die Erde aus seiner Ferne erscheinen.

eine besondere Begegnung II

Fünf Wochen nach Jean Ziegler in Leipzig erlebte ich in Berlin Sebastião Salgado. Aufmerkam wurde ich auf ihn im vergangenen Herbst, sah zweimal den Film „Das Salz der Erde“, in dem Wim Wenders mit Hilfe von Salgados Sohn Juliano Leben und Werk des brasilianischen Fotografen dokumentiert. Weiterlesen

willkommene Trauer?

Es sind schlimme Situationen, umso tragischer, je dramatischer die Umstände und je größer die Opferzahl, wenn sich Überlebende nach einer Naturkatastrophe oder Hinterbliebene nach folgenschwerem technischem oder menschlichem Versagen zu gemeinsamer Trauer zusammenfinden – so wie nach dem Flugzeugabsturz am gestrigen Dienstag in den französischen Alpen. Weiterlesen

Geister

In der Schule habe ich gelernt, Geister habe der Mensch sich zu einer Zeit erfunden, als ihm Naturerscheinungen ungeheuerlich waren. Damit wird ihm unterstellt, er sei seiner Unwissenheit nicht gewachsen gewesen, im Laufe der Zeit aber weiter gekommen, so weit, dass er Geister heute nicht mehr nötig hat und mit ihnen herumspielen kann, Scherze machen, sich an denen belustigen, die noch an sie glauben und Spektakel um sie herum veranstalten. Weiterlesen

Herbstzeit

Leider habe ich nicht die Gabe der Indianer und damit auch nicht ihre Worte, vierzig verschiedene Grün zu unterscheiden. So ist es immer wieder erst die blätterfärbende Jahreszeit, in der sich Wald und Bäume meiner Sprache öffnen. Den Blicken gewachsen ist sie nicht. So gebe ich gern den Bildern den Vorzug. Das erste entstand bei einem Herbstgang durch den Potsdamer „Wildpark“ am letzten Sonntag. Weiterlesen