feuer und glut

nie war ich ein freund

lodernder flammen ein pyromane

schlummert nicht in mir

aber immer hat mich die glut

inspiriert, der vermeintliche rest

ihr tatsächlicher grund

wenn städte im nachtlicht erschienen

oder lavaströme in rissen von ästen

oder pulsierende mäander

oder magische schriften

sich zeigten, um enträtselt zu werden

und inzwischen erloschen sind

oder in der warmen asche

noch lauern, in der verbliebenen zeit

in einem hoffnungsdunkel

ein Gefühl

Über ein Gefühl nachdenken können, ist ein einzigartiges Privileg. Die Sorge, es dabei zu zerstören, halte ich für ebenso unbegründet wie die Erwartung, es mit Gedanken vertiefen oder gar kontrollieren zu können, denn ein Gefühl ist ein viel komplexeres Gebilde als ein Gedanke. Mit ihm erst lebt mein Körper, das vermeintliche Hirngefäß, und lässt die Welt in mich hinein. Handelt es sich um ein Gefühl von Menschen füreinander, wirkt es sich ebenso auf den anderen aus. Weiterlesen

Wen wählen?

An der letzten Bundestagswahl habe ich mich nicht beteiligt. Warum nicht? Weil Gegenstimmen nicht möglich sind. Nur eine solche hätte ich guten Gewissens abgeben können und zwar für jede der etablierten Parteien von Rechts bis Links. Weil jede mit ihrem Programm mit all ihrer Macht das vorhandene System (das ihre Anführer ohne Skrupel als bestmögliches ausrufen und sogar für alternativlos erklären) verteidigen und befestigen will. Es kann aber nur darum gehen, dieses System zu destabilisieren, in dem Einzelne auf Kosten der Gemeinschaft leben, das existenzielle Konflikte ohne Ende produziert und inzwischen die Bedingungen für alles Lebendige auf dem Planeten zusehends verschlechtert. Weiterlesen

ZwischenZeiten

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Die Welt ist eitel. Vielleicht fehlt ihr der Ehrgeiz, sich erkennen zu wollen, aber sehen will sie sich schon. Dafür hat sie das bewusste Selbst ‚erfunden‘. In ihm einen EigenSinn zu suchen, halte ich für ein ehrgeiziges aber heikles Unterfangen. Ein großes Vergnügen kann es allerdings sein, sich in ZwischenZeiten, auf dieses Selbst bewusst einzulassen. Weiterlesen

„Zohra“ aus Afghanistan

Zarifa Adiba ist die junge Frau auf dem Bild. Als ich sie, nicht ganz zufällig, fotografiere, sitzt sie auf dem Altarpodest in der Berliner Gedächtniskirche. Vor ihr schafft ein Orchester junger Musikerinnen eine klangvolle Stille für zwei Rubabs, das Nationalinstrument der Afghanen. Nicht ganz zufällig, weil, mehr noch als Äußerliches, die verträumte Konzentration in ihrem Gesicht meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Da weiß ich ihren Namen noch nicht. Weiterlesen

Wohin die Reise geht …

… weiß – zum Glück! – noch niemand. Aber Anzeichen und Prognosen gibt es im Überfluss, sogar Wegweisungen – Vorsicht! Am Ende der DDR standen von den drei Buchstaben die zwei letzten in einem erbärmlichen Schatten. Wohin die Demokratie, die im heutigen Landesnamen erst gar nicht auftaucht – seitdem gekommen ist, wird deutlich, wenn der Souverän, das Volk, eine AfD erfinden muss, um sich noch irgendwo zwischen arroganter Macht und vulgärem Reichtum wiederzufinden. Weiterlesen

Theorie und Praxis

Die Vermutung, dass Vergangenes nicht vorbei und ein für allemal erledigt sein muss, habe ich schon lange. Inwiefern es weiter zur Verfügung steht, kann, denke ich, an der Ernsthaftigkeit meiner Bemühungen liegen, es weiterhin nutzen zu wollen und auch an notwendigem Geschick. Bisher war das Theorie, ein Gedankenspiel, aber jetzt, von einem exakt datierbaren Moment an, dringt Wirklichkeit in sie ein. Weiterlesen

Blickwechsel oder Ortswechsel

Immer wieder muss ich erklären, dass das Wort „Linkszeit“ kein ideologisches Bekenntnis ist, sondern, mit den Worten von Gilles Deleuze, die „Umkehr der Wahrnehmung von sich aus auf die Welt hin“ meint. Ohne diese Umkehr der Wahrnehmung werden wir immer nur versuchen, unsere „europäischen Privilegien“ zu verteidigen. Weiterlesen