Wen oder was wählen?

An der letzten Bundestagswahl habe ich mich nicht beteiligt. Warum nicht? Weil Gegenstimmen nicht möglich sind. Nur eine solche hätte ich guten Gewissens abgeben können und zwar für jede der etablierten Parteien von Rechts bis Links. Weil jede, hinter schönen oder leeren Worten versteckt, mit Umverteilungen, Abschottungen, Sanktionen oder offener Gewalt nur verteidigen und befestigen will, was schnellstens beseitigt werden sollte: ein System, das eine Mehrheit um eine lebenswerte Zukunft bringt. Weiterlesen

ZwischenZeiten

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Die Welt ist eitel. Vielleicht fehlt ihr der Ehrgeiz, sich erkennen zu wollen, aber sehen will sie sich schon. Dafür hat sie das bewusste Selbst ‚erfunden‘. In ihm einen EigenSinn zu suchen, halte ich für ein ehrgeiziges aber heikles Unterfangen. Ein großes Vergnügen kann es allerdings sein, sich in ZwischenZeiten, auf dieses Selbst bewusst einzulassen. Weiterlesen

„Zohra“ aus Afghanistan

Zarifa Adiba ist die junge Frau auf dem Bild. Als ich sie, nicht ganz zufällig, fotografiere, sitzt sie auf dem Altarpodest in der Berliner Gedächtniskirche. Vor ihr schafft ein Orchester junger Musikerinnen eine klangvolle Stille für zwei Rubabs, das Nationalinstrument der Afghanen. Nicht ganz zufällig, weil, mehr noch als Äußerliches, die verträumte Konzentration in ihrem Gesicht meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Da weiß ich ihren Namen noch nicht. Weiterlesen

Wohin die Reise geht?

Das weiß – zum Glück! – noch niemand. Aber Anzeichen und Prognosen gibt es im Überfluss, sogar Wegweisungen – Vorsicht! Am Ende der DDR standen von den drei Buchstaben die zwei letzten in einem erbärmlichen Schatten. Wohin die Demokratie, die im heutigen Landesnamen erst gar nicht auftaucht – seitdem gekommen ist, wird deutlich, wenn der Souverän, das Volk, eine AfD erfinden muss, um sich noch irgendwo zwischen arroganter Macht und vulgärem Reichtum wiederzufinden. Weiterlesen

Theorie und Praxis

Die Vermutung, dass Vergangenes nicht vorbei und ein für allemal erledigt sein muss, habe ich schon lange. Inwiefern es weiter zur Verfügung steht, kann, denke ich, an der Ernsthaftigkeit meiner Bemühungen liegen, es weiterhin nutzen zu wollen und auch an notwendigem Geschick. Bisher war das Theorie, ein Gedankenspiel, aber jetzt, von einem exakt datierbaren Moment an, dringt Wirklichkeit in sie ein. Weiterlesen

Blickwechsel oder Ortswechsel

Immer wieder muss ich erklären, dass das Wort „Linkszeit“ kein ideologisches Bekenntnis ist, sondern, mit den Worten von Gilles Deleuze, die „Umkehr der Wahrnehmung von sich aus auf die Welt hin“ meint. Ohne diese Umkehr der Wahrnehmung werden wir immer nur versuchen, unsere „europäischen Privilegien“ zu verteidigen. Weiterlesen

laufen

Seit ich mich für ein auskömmliches Einkommen nicht mehr verdingen muss und mir die Tage einteilen kann, laufe ich, unfreiwillig, weil ich ein fauler Mensch bin, aber die Angst vor einem Infarkt als Folge zu hohen Blutdrucks ist größer. Dazu bescheinigte mir im Sommer vergangenen Jahres ein Kardiologe bei der Auswertung eines Belastungs-EKGs eine miserable Kondition und stellte mir ihre Verbesserung als Alternative zu den Blutdruckpillen in Aussicht, die er mir als Sofortmaßnahme verschrieb. Weiterlesen

eigentlich

Eigentlich sollte ich keinen Joghurt essen, der um die halbe Welt gefahren ist.
Eigentlich sollte ich auf Fleisch aus Massentierhaltung verzichten.
Eigentlich sollte ich keine Billigkleidung kaufen, die von eingepferchten Frauen und Kindern genäht wurde.
Eigentlich sollte ich mein Auto nicht mit dem Benzin marodierender Ölkonzerne betanken.
Eigentlich sollte ich mein Auto nicht allein benutzen.
Eigentlich sollte ich Rad fahren.
Eigentlich sollte ich nichts verschwenden.
Eigentlich sollte ich mich mehr um andere kümmern.
Eigentlich will ich auch, was ich sollte.

das Salz der Erde

„Ihr seid das Salz der Erde“, sprach der Wanderprediger Jeschua Ha-Nozri auf seiner Vortragsreise durch Galiläa und Judäa zu denen, die statt seinen Worten ihm selbst gefolgt waren. In einer eindringlichen Rede ließ er sie wissen, dass ihnen, sollten sie nicht in Schönheit verhallen, Taten würden folgen müssen, ihre Taten. Weiterlesen