Ai Weiwei mit „Evidence“

Anzeichen, Befund, Bekundung, Beleg, Beweis, Beweismittel, Beweislast, Hinweis, Nachweis, Indiz, Zeugnis sind Übersetzungsvorschläge für das englische evidence. Sie alle finde ich aufbewahrt in der Ausstellung „Evidence“ des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, der Bilder, Bücher, Filme, Fotos, Skulpturen, Installationen und Bauwerke schafft, in denen er sich mit seiner (gesellschaftlichen) Umgebung auseinandersetzt. Um sich in ihr zu begreifen, um seine Koordinaten zu bestimmen, seine Position. Um sie zu behaupten und um sie in Frage zu stellen. Weiterlesen

fatal national

Die aktuellen Ereignisse um die Ukraine sind das beste Beispiel, dass die Nationalstaaten mit ihren ausgeklügelten Systemen es sind, die nach wie vor den primitivsten Nationalismus schüren. Wenn es eine offensichtliche Parallele zum Geschehen von vor einhundert Jahren gibt, das in den Ersten Weltkrieg mündete, dann diese. Nur dass statt der ideologischen Keulen, mit denen die Völker damals bearbeitet wurden, die heute ach so freie Berichterstattung längst Konsens mit den politischen Führungen hergestellt hat und uns in der raffiniertesten und unverschämtesten Art und Weise manipuliert, anheizt, aufhetzt. Im Namen der Demokratie. Ich wünschte, ihr Missbrauch wäre so strafbar wie der einer Minderjährigen. Aber würde das noch etwas nützen? Ist sie in unserer Obhut nicht längst eine willfährige Hure? Weiterlesen

Taksim-Platz

Mitten in Istanbul verliert ein Platz in diesen Wochen seine Beliebigkeit. Menschen füllen ihn immer wieder, um Unzufriedenheit auszudrücken und zu adressieren. Sie haben ihn zur Plattform eines ihrer Meinung nach unerlässlichen Dialogs mit dem Staat erkoren. Dass sie den Dialog anstreben, heißt, dass sie dem Staat die Fähigkeit zum Diskurs zutrauen. Weiterlesen

Systemversagen?

Weltuntergänge haben immer dann Konjunktur, wenn das kollektive Selbstvertrauen schwindet, wenn wir feststellen, dass es bei äußerster Anstrengung mal wieder nicht gelingen will, unsere Interessen mit den Gegebenheiten in Einklang zu bringen. Dieser Tage muss der Maya-Kalender herhalten, in dem ein am 11. August 3114 v. Chr. begonnener Zählabschnitt endet und kurzerhand zum kosmischen Finale erklärt wird. Weiterlesen

Eingang ins AussichtsReich I

Mit dem Wort ‚Reich’ sollen keltische Stämme sowohl ideellen als auch materiellen Reichtum verbunden haben. Bis heute bedeutet es über Territorialität hinaus auch die Beherrschung eines Gebietes. Erst wenn ein Regelwerk es ordnet und Institutionen vorhanden sind, die die Ordnung aufrecht erhalten, ist das Gebiet ein Reich. Es wird vergrößert oder verteidigt, aber sicher ist nur, dass es über kurz oder lang wieder verloren wird oder zerfällt. Weiterlesen