Menschen im System I

Soziologen wissen, dass feste soziale Bindungen die Grundlagen der menschlichen Existenz sind, nicht zuletzt weil wir mindestens ein Viertel unseres Lebens als Kinder, Alte oder Kranke von der Sorge und Pflege durch andere abhängen. Gemeinschaft ist unser Zuhause, und ein beträchtliches Maß unserer körperlichen und geistigen Kräfte wenden wir in der Zwischenzeit auf, Zuwendung zu organisieren. Weiterlesen

offene Zukunft

Es ist etwas ganz Verschiedenes, ob ich die Zukunft für offen halte oder ob ich meine, ich könne sie nur (noch) nicht erkennen. In diesem Fall halte ich sie nämlich grundsätzlich für vorbestimmt, und das entlastet mich für den Moment. Weil ja dann nur kommen kann, was kommen muss, unabhängig davon, ob mir etwas glückt oder misslingt. Im anderen Fall gibt es keine Narrenfreiheit mehr. Dann kommt es – und davon bin ich überzeugt – stets und ständig darauf an, was ich in meinem überschaubaren und in jeder Hinsicht begrenzten Lebensraum tue oder lasse. Dann bin ich gehalten, alle Kraft und Kreativität zu mobilisieren, um – meinen augenblicklichen Neigungen und Intentionen folgend oder auch ihnen entgegen – die Zukunft offen zu halten. Weiterlesen

Wo sind die Intellektuellen?

„Die Wahrheit zu suchen, nicht sie als bereits gegeben hinzunehmen (da beginnt die Lüge der Ideologie) – und sich selbst immer wieder als solch ein vom Irrtum wendender Wahrheitssucher öffentlich zu zeigen –, das scheint die Arbeit des Intellektuellen“, schreibt der studierte Philosoph Gunner Decker (in „1965. Der kurze Sommer der DDR“) und präzisiert: „das meint vor allem die Künstler, Regisseure und Autoren und nicht die an Universitäten und Instituten angestellt-abhängigen Denker, die die Klasse der Intelligenz bilden: dem herrschenden geistigen Vakuum […] eine eigene Denkbewegung entgegenzustellen!“ Weiterlesen

„Ex Machina“

Seit den Büchern des polnischen Autors Stanisław Lem, die ich vor allem in den 1970er Jahren mit großem Vergnügen verschlang, fasziniert mich die Vorstellung, wir könnten irgendwann einmal künstliche Intelligenz erschaffen und mit ihr die Welt verändern. „Intellektronik“ nennt Lem diese Schöpfungen in seinem Werk „Summa technologiae“, dessen Titel sich auf die Schriften „Summa theologica“ (um 1270) von Thomas von Aquin und „Summa Theologiae“ (um 1274) von Albertus Magnus bezieht. Weiterlesen

InkriT-Tagung 2015

Die deutschen theoretischen Marxisten, von Fritz Haug seit Jahren weitgehend und geschickt um sein Lebenswerk, das „Historisch-kritische Wörterbuch des Marxismus“, gruppiert und zugleich am Tropf gehalten, sind wieder ein Jahr älter geworden. Mein Entschluss auch dieses Jahr am Plenum teilzunehmen, ergab sich aus dem Thema „Mensch-Natur-Verhältnisse“. Weiterlesen

eine besondere Begegnung II

Fünf Wochen nach Jean Ziegler in Leipzig erlebte ich in Berlin Sebastião Salgado. Aufmerkam wurde ich auf ihn im vergangenen Herbst, sah zweimal den Film „Das Salz der Erde“, in dem Wim Wenders mit Hilfe von Salgados Sohn Juliano Leben und Werk des brasilianischen Fotografen dokumentiert. Weiterlesen