Theorie und Praxis

Die Vermutung, dass Vergangenes nicht vorbei und ein für allemal erledigt sein muss, habe ich schon lange. Inwiefern es weiter zur Verfügung steht, kann, denke ich, an der Ernsthaftigkeit meiner Bemühungen liegen, es weiterhin nutzen zu wollen und auch an notwendigem Geschick. Bisher war das Theorie, ein Gedankenspiel, aber jetzt, von einem exakt datierbaren Moment an, dringt Wirklichkeit in sie ein.

Es handelt sich um eine 43 Jahre zurück liegende Beziehung, die im Detail hier nichts zur Sache tut. Nur dass ich sie in der Zwischenzeit mit Hilfe der Erinnerung nicht ins Vergessen, ins ein für allemal Verlorene, habe absinken lassen – am Leben gehalten habe? – ist maßgeblich. Plötzlich haftet sich ein Geschehen an die Gegenwart, beansprucht Zeit und Platz darin und lässt sich weder befristen noch separieren, geschweige denn wieder aus ihr aussortieren. Stattdessen durchwirkt sie meine Gedanken und Gefühle und verwebt sie neu.

Mit Auswirkungen muss ich rechnen. Welcher Art sie sein werden, ist mir unklar. Nur dass sie kein Gedankenspiel bleiben und meine Zukunft sich mit ihnen verändern wird, ist ziemlich sicher. Auch dass ich mit dieser Situation nicht wie mit diversen Ablagen umgehen kann, wird mir täglich bewusster. Bange ist mir deswegen nicht. Vielleicht entstehen ja auf diese Weise die aussichtsreichsten Öffnungen in neue Zuversichten.

 

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