wundern

Gestern hat mich eine gute Bekannte zum gemeinsamen wundern eingeladen. Auf dem Weg ins Leipziger Lukas-Café am Augustusplatz, wo man in einem Atrium in bequemen Sesseln oder Doppelsitzern stundenlang bei einer Tasse Kaffee zubringen kann, habe ich mir mit meinem manchmal sonderbaren Wortverständnis vorgestellt, dass es dabei nicht ums Staunen, sondern ums Wunder tun ginge, so wie es unsere Phantasie oder Verzweiflung gern irgendwelchen Heilern oder Heiligen unterstellt.

Ein schöner Gedanke in unschönen Zeiten, nicht wahr? Umherwundern, so wie Gegenden durchstreifen oder Leute und ihre Gedanken und Gefühle, bis sie sich verändern. Bis sie sich nicht mehr wiederfinden, weil sie ganz aus dem Häuschen sind oder nicht mehr einkriegen, weil keine der so gern errichteten Zäune und Mauern sie mehr aufhält. Bis sie ihre Verhältnisse umschichten müssen. Nicht unbedingt das Unterste zuoberst aber doch soweit umkrempeln, dass anders weitergelebt werden muss, weniger verkniffen, weniger angestrengt, weniger selbstversessen, weniger rücksichtslos.

Mal eben wundern gehn, als wärs eine Selbstverständlichkeit. Aber dann wären es ja keine Wunder mehr! Oder jemanden bewundern im Sinne von betören mit Erstaunlichem, wodurch er sich aus seinen Grenzen löst und aufsteigt wie ein Himmelsgruß, entledigt seiner Schwere wie eines Unvermögens, um erstmals wirklich wesentlich zu sein. Wenn mir das ganz ohne Zaubersprüche und Mixturen gelänge, nur aus mir heraus … Wer bietet dafür Aus- und Weiterbildung an, für Kurse, die einen Kurswechsel bedeuten?

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